Eishora

Um der aktuellen Hitzekatastrophe (früher nannte man das Sommer und hat sich gefreut!) zu entgehen, wollen wir wieder eine Wanderung machen, wo wir bereits eine gewisse Starthöhe haben, und wir wollen auch wieder früh los marschieren. So fahren wir am 22. Juni 2026 ins Val Schons an der San Bernardino-Strecke und von Zillis noch bis Lohn hinauf. Erneut starten wir um halb sechs Uhr. Gleich am Dorfrand informiert uns eine Tafel, dass der von Paul geplante Direktanstieg zum See bei Libi wegen einer Mutterkuhherde temporär gesperrt ist. Um nicht schon gleich nach dem Start Ärger zu bekommen, laufen wir halt auf der Teerstrasse etwas über 3 Kilometer hinauf bis zum Punkt 1932. Das ist eigentlich gar nicht so schlimm, denn die Steigung ist angenehm, und so ergibt sich ein gemütliches Warmlaufen. Zumindest für Paul, denn ich stöbere herum wie irr und habe schon die Hälfte meiner Kräfte verbraucht, noch bevor wir ins Gelände kommen. Beim Punkt 1932 verlassen wir die Strasse und laufen auf einem von Kühen arg ausgetretenen Weg hinauf in Richtung Alp digl Oberst. Wir sehen aber schon bald, dass auch dort oben Kühe weiden. Um denen aus dem Weg zu gehen, verlassen wir den Wanderweg und laufen nun frei Schnauze bis hinauf zur Wasserscheide zwischen dem Val Schons und dem auf der Karte namenlosen Tal zwischen Glaspass und Thusis. Erst ist der Bewuchs noch recht hoch, so dass ich fast im Gras verschwinde, mit zunehmender Höhe wird er aber immer kürzer. Und was für eine Blumenpracht! Wir steigen einen unscheinbaren, wenig steilen Rücken an, der uns zum Punkt 2524 leitet. Die letzten 100 Höhenmeter wird es dann doch noch etwas stotzig, aber der ganze Anstieg ist nirgends schwierig. Überhaupt – obwohl wir heute doch recht viel weglos unterwegs sind – treffen wir auf keine einzige Schwierigkeit. Vom Punkt 2524 steigen wir noch wenige Höhenmeter gegen Nordosten an und erreichen auf ca. 2530 Meter den höchsten Punkt unserer heutigen Wanderung. Die Wasserscheide zwischen diesen beiden Tälern könnte man – wenn man gegen Norden schaut – als Grat bezeichnen, fällt auf dieser Seite das Gelände doch teils felsig, teils grasig brutal steil ab, dem Flussbett der Nolla zu. Auf der Südseite ist das Ganze aber ein lieblicher und breiter Gras-Rücken, dem wir nun für einige Zeit folgen. Wir übersteigen oder traversieren dabei: Eishora, Farcletta da Stavlatsch, Lügga, Zwölfihorn, Farcletta da Dasch, Rappakopf, Scherakopf und Crapschalvakopf. Es geht dabei unentwegt auf und ab (mehr ab als auf!), einen Weg findet man keinen, aber das Gehen fällt leicht und wir kommen gut voran. Je weiter wir absteigen, desto heisser wird es. Beim Crapschalvakopf endet dieser Höhenzug und wir machen uns an den Abstieg zurück nach Lohn. Leider weidet bei Cadanos wieder eine recht ansehnliche Herde Mutterkühe, die wir aber oberhalb umgehen können, worauf wir dafür ziemlich steil zur darunter liegenden Fahrstrasse absteigen müssen. Plötzlich fallen die Brämen in grosser Menge über Paul her, so dass er ziemlich Gas gibt, um nicht gestochen zu werden. Dabei verpassen wir die Abzweigung bei Summapunt und folgen erst noch allzu weit der Fahrstrasse. Nachdem der Fehler bemerkt ist, eilen wir weglos übers Gelände, um den Wanderweg hinunter nach Lohn zu erreichen. Diesem folgen wir nun unschwierig – er ist von Kühen teils arg ausgetreten und verschissen – bis wir kurz nach elf Uhr wieder beim Auto sind. Eine herrliche Tour in einer für uns noch unbekannten Gegend. Für mich war es etwas zu heiss, aber Paul war begeistert ob der vielen Blumen!

Montag, 22. Juni 2026