Einige hohe Wolkenfelder trüben leider am Morgen des 23. Juli 2026 den Himmel ein, als wir mit der Sesselbahn von Bosco/Gurin zum Rossobda hoch fahren, und so richtig warm will es auch nicht sein. Jä nu, wir steigen dennoch von der Bergstation aus auf meist gutem und wenig steilem Weg hinauf zur Guriner Furgga. Der Weg ist nichts Spektakuläres und wir sind in weniger als einer Stunde auf dem Pass. Der Wind pfeift uns um die Ohren und an Kurze Hosen oder T-Shirt ist nicht zu denken. Der flache See gleich unterhalb der Passhöhe ist ausgetrocknet und auch sonst gibt es keinen Grund, hier zu verweilen. Abgesehen natürlich von der schönen Aussicht hinunter ins südliche Ende des Val Formazza respektive in die Berge auf der anderen Talseite, wo wir doch auch schon herum gestiefelt sind. Aber weiter geht es, jetzt erst mal ein paar Dutzend Höhenmeter recht stotzig auf ordentlichem Weg bergab dem Bodme zu. Bevor dieser allerdings erreicht ist, traversiert der Weg in nur leichtem Aufstieg hinüber zum Passo della Foglia (Punkt 2353 auf der CH-Landeskarte). Unterwegs lässt der Wind nach, so dass das Gehen nun etwas angenehmer ist. Auch nach diesem Pass steigen wir erst mal recht steil und auf teils etwas lotterigem Weg weiter ab. Wir stören dabei eine Vierergruppe junger Steinböcke auf. Bevor sie sich aber ganz aus dem Staub machen, beäugen sie uns erst mal recht neugierig. Ganz bis zur Weggabelung unterhalb des Punktes 1986 wollen wir dann aber doch nicht absteigen, verlassen den Weg auf etwas unterhalb 2100 Meter Höhe, steigen nun weglos aber unschwierig an, bis wir zielgenau am vorgesehenen Ort auf den Wanderweg hinauf zum Lago Superiore treffen. Der ist nun wirklich eine Perle, tiefblau und wunderschön gelegen! Wen wundert's, dass wir hier nicht alleine sind. Drei Jungs liegen am Ufer im Gras und tun so, als würden sie schlafen. Wir nehmen uns auch Zeit, diesen herrlichen Ort zu geniessen. Etwas oberhalb des Sees – mit einem schönen Überblick – machen wir dann Pause. Nach meinem inzwischen schon fast üblichen kurzen Erholungsschlaf, geht es nun steil weiter. Diesen Abschnitt sind wir ja schon einmal gelaufen und zwar vor nicht ganz acht Jahren anlässlich unserer Etappen-Weitwanderung von westlichsten zum östlichsten Grenzstein der Schweiz. Und wie damals stossen wir kurz unterhalb der Hendar Furgga auf ein übles Blockfeld, wo ich wieder mal meine inzwischen grossen Künste im Überwinden solcher unangenehmen Passagen unter Beweis stellen kann. Aber Kraft und Pfotenleder braucht es halt schon. Nach dem Passübergang geht es erst kurz steil hinunter, bevor wir gleich nochmals so ein mörderisches Blockfeld erreichen. Inzwischen bilden sich leider immer mehr Wolken am Himmel, so dass wir nur noch zwischendurch im Sonnenschein laufen können. Nach den letzten Blöcken geht es nun pfotenschonend auf Erd- und Graswegen zurück zum Rossboda. Bei Punkt 2232 verlassen wir den bekannten Weg und schwenken nach Südwesten ab. Der Weg ist hier schmal, nicht gar immer so gut sichtbar und wird offensichtlich nicht so häufig begangen. Markiert ist er hingegen nicht schlecht. So wandern wir genüsslich auf in etwa immer der gleichen Höhe dahin bis der Weg immer schmaler wird und Paul meint, dass wir doch schon eine Weile keinen Wegmarkierung mehr gesehen hätten. Und tatsächlich: Ein Blick auf seine Handykarte zeigt, dass wir weit abgekommen sind vom offiziellen Wanderweg. Inzwischen sind wir schon mehr als 100 Höhenmeter zu weit oben! Offenbar sind wir einem Schaf- und Ziegenpfad gefolgt. Aber was soll’s, das Gelände ist hier ja wenig steil und offen. So steigen wir halt praktisch in Falllinie ab, stossen sehr bald auch schon auf einen anderen Pfad, der uns elegant zurück zum Wanderweg leitet. Nun ist auch bald schon der Rossboda erreicht. Also das war zwar eine schöne Wanderung, etwas kürzer als die gestern, dafür aber auf anspruchsvolleren Wegen. Ich war heute schon weniger spritzig unterwegs als gestern. Ob wir morgen wirklich noch diese längere Tour machen können, die Paul geplant hat, wird er erst morgen unterwegs entscheiden.